Partille Cup 2017 – Gewinnen ist schön, Teamgeist ist besser!

Montagmorgen, 4:45 Uhr, Schule Viöl. Die Klasse 8b der Gemeinschaftsschule in Viöl trifft sich zur Abfahrt zum Partille Cup 2017 – dem größten Handballturnier der Welt.
An 5 Tagen messen sich hier 22000 Spielerinnen und Spielern in 1500 Teams aus über 50 Nationen in den Altersklassen U10 bis U21.
Die Schule Viöl ist mit je einer Mädchen- und einer Jungenmannschaft in der Altersklasse U15 vertreten.

Ca. ein Jahr Vorbereitung liegt hinter der Klasse, Sportlehrer Rainer Ginzel und den Betreuern. Die Idee, dass eine Klassenfahrt zum größten Handballturnier der Welt geht, ist wohl einzigartig. Schließlich ist in der Klasse nur eine Handballerin zu finden. Die Jungen-Mannschaft wird noch von zwei Handballern aus der Parallelklasse unterstützt.
Die Kooperation der Gemeinschaftsschule Viöl mit der HSG Jörl-DE Viöl ermöglicht diese Fahrt. Initiatoren des Projektes sind Rainer Ginzel und Rolf Hänsel, die seit September von Johannes Krüger unterstützt werden. Im Rahmen seines Freiwilligendienstes nutzt er die Fahrt als Jahresprojekt und stellt dieses unter anderem bei der FWD-Jahresprojektemesse beim Abschlussseminar in Bad Malente vor.

Zu der Organisation gehören An- und Abreise, Organisation der Finanzierung, Trikots, die Zustimmung der Eltern und der Schule und natürlich die sportliche Vorbereitung. Nahezu wöchentlich wurden die Sportstunden intensiv für die handballerische Schulung genutzt. Sportlehrer Rainer Ginzel kümmerte sich um alle organisatorischen Dinge, obwohl er nicht aktiv an der Fahrt teilnimmt. Da die planmäßige Lehrkraft noch kurzfristig erkrankte, musste auch noch Ersatz gefunden werden. Dies war allerdings kein Problem und so erklärte sich Bianca Schäfer aus Ohrstedt spontan bereit, die Fahrt zu begleiten.

Nach einer zehnstündigen Anreise per Bus und Fähre erreichen die Schüler mit den Betreuern Henrike Westphal und Bianca Schäfer als Lehrkräfte, sowie Rolf Hänsel und Johannes Krüger von der HSG Jörl-DE Viöl ihre Unterkunft in Göteborg. Anmelden, Unterkunft beziehen, Betten aufbauen, Schlafsack ausrollen, Klassenraum herrichten, Essen und das erste mal zum „Center Court“ nach Heden im Zentrum Göteborgs fahren, das war der Plan für den restlichen Montag.

Am Dienstag starten wir – wie alle anderen Turnierteilnehmer – mit unseren Gruppenspielen. Zunächst die Jungen, dann die Mädchen. Leider wenig erfolgreich, und es wird schnell klar, was es bedeutet, Handball zu spielen! Schnelligkeit, Ballsicherheit, Aggressivität in der Abwehr, Umschaltvermögen, Zusammenspiel, alle sportlichen Anforderungen werden uns gestellt. Die Jungen werfen an diesem Tag schon zwölf Tore, während die Mädchen ihren ersten Torerfolg auf Mittwoch verschieben müssen. Nach dem letzten Spiel ging es zum Essen und anschließend zur begehrten Eröffnungsfeier im Scandinavium. „So etwas habe ich noch nie erlebt!“ , tönt es im Anschluss. In knapp 75 Minuten werden bei der Show alle teilnehmenden Nationen beim Turnier begrüßt, unterstützt von musikalischen Tanz- und Showacts. Danach geht es auch schnell ins Bett. Am nächsten Tag warten wieder neue Gegner!

Pünktlich um 8:40 Uhr versammelt sich der Tross an der Unterkunft, um gemeinsam Richtung Heden aufzubrechen. Dort haben die Jungen ihre nächsten beiden Gruppenspiele und siehe da: das Zweite verlieren sie mit nur einem Tor gegen Frogner IL aus Norwegen. Da es bei einigen Spielen eine Liveschalte im Internet gibt, können einige Eltern das Spiel sogar im Internet verfolgen. Wir schnuppern an einem Punkt, müssen leider doch beide abgeben. Im Anschluss bricht der Clan auf in Richtung Härlanda, wo die Mädchen ihre nächsten Gruppenspiele bestreiten. Auch wenn die Differenz sehr hoch ist, können die Mädchen an diesem Tag auch Erfolge feiern und insgesamt sieben Tore erzielen. Man sollte meinen, bei so vielen Gegentoren und Niederlagen könnte die Stimmung kippen. Allerdings gehen wir es realistisch an und lassen uns davon nicht beirren, sondern genießen das schwedische Sommerwetter und die Atmosphäre auf den Plätzen. Den freien Abend nutzen wir, um gemeinsam in den Liseberg, dem größten Freizeitpark Nordeuropas, zu gehen. Am späten Abend treten wir dann – teilweise „bewässert“ von der Wildwasserbahn – unseren Heimweg in die Unterkunft an.

Am Donnerstag können wir es etwas ruhiger angehen. Wir haben jeweils nur noch ein Gruppenspiel und haben den Vormittag zur freien Verfügung. Dies nutzen wir und fahren gemeinsam zu einem malerischen Badesee in der Nähe unserer Unterkunft. Nach einer kleinen Planscheinheit und etwas Entspannung in der Sonne geht es zum Mittagessen. In der Zwischenzeit erklären sich Einige bereit, für alle Sponsoren, die die Fahrt unterstützen, eine Dankespostkarte zu schreiben. Diese werden nach dem Mittagessen fix von allen unterschrieben und dann in den Briefkasten geworfen. Doch in welchen? Gibt es in Schweden auch das System mit der In- und Auslandspost? Oder ist wie bei uns ein Postkasten für alle gedacht? Fragen über Fragen. Die Betreuer sind sich uneinig. Da wir allerdings nur einen Postkasten finden, bleibt uns nichts anderes übrig, als die Karten dort hineinzuwerfen. Wird schon schief gehen.
Da wir ziemlich weit außerhalb des Zentrums untergebracht sind, verbringen wir viel Zeit in der Straßenbahn. Dies bringt Gelegenheiten, die drei Betreuer aus dem nicht-plattdeutschsprachigen Raum ein wenig zu unterrichten. Wichtige Vokabeln wie „instiegen“ und „utstiegen“ werden schnell beherrscht. Man lernt ja nie aus…

Am Donnerstag steht für die Jungen noch das Highlight gegen die Handballexoten der Li Shin Junior High School aus Chinese Taipei an. Mit viel Hoffnung und Selbstbewusstsein gehen die Jungen das Spiel an, doch die Erkenntnis, dass auch Asiaten mit dem kleinen Ball umgehen können, macht schnell die Runde, und so geht leider auch das fünfte Gruppenspiel verloren. Ähnlich läuft es für die Mädchen, zwar kommt der Gegner wieder aus Skandinavien, jedoch lässt sich auch dieser nicht bezwingen, aber immerhin erzielen wir wieder ein Tor.

In der Zwischenzeit hat sich nach 4 Tagen ein beachtlicher Pfandflaschenberg im Zimmer der Jungen angesammelt. „Lass uns diese doch der älteren Dame geben.“ , vernehmen die Betreuer. Großes soziales Engagement, auch im Ausland. Mit Pfandflaschen kennen sich die Schüler bestens aus. Wurde doch im Vorfeld eine Pfandflaschentonne ins Leben gerufen, die mehrere hundert Euro in die Fahrtenkasse eingebracht hat.

Am Donnerstagabend steht für die Betreuer die Leadersparty im Scandinavium an. Die Schüler bleiben beaufsichtigt in der Unterkunft und nutzen den Abend, um zu entspannen. Auf der Leadersparty gibt es zur Abwechslung mal keinen Reis, sondern ein reichhaltiges Buffet und kalte Getränke.
Am Freitag beginnen dann die Playoffspiele im B-Pokal. Lieder müssen wir uns wieder geschlagen geben und da wir uns nun in der KO-Phase befinden, ist nach einem Spiel am Freitag das Turnier sportlich beendet. Trotz der hohen Tordifferenzen lassen sich die Schüler aber nicht unterkriegen und genießen das einmalige Erlebnis beim größten Handballturnier der Welt. Wer kann das als Nicht-Handballer schon von sich behaupten?
Am Freitagabend fahren wir nochmal ins Scandinavium, um uns das skandinavische Derby zwischen Norwegen und Island im Spiel um Patz drei der U19 European Open anzugucken. Müde und erschöpft von den vorangegangen Turniertagen geht es danach auch schon weder in die Unterkunft.

Am Samstag ist Abreisetag. Nach dem Frühstück richtet die Klasse vorbildlich und eigenständig die Klassenräume wieder her und versammelt sich im Vorraum, um die Räume von den Betreuern und dem Personal vor Ort abnehmen zu lassen.
Nachdem wir alles ordnungsgemäß hinterlassen, kommt auch schon das Shuttle zur Fähre. wieder heißt es drei Stunden auf der Fähre und vier Stunden im Bus bis wir wieder Schleswig-Holsteins Norden erreichen.
An dieser Stelle möchten wir und noch einmal bei allen Sponsoren und Unterstützern bedanken! Auch wenn es sportlich nicht optimal lief, hatten wir eine unvergessliche fahrt und ein einmaliges Erlebnis während der Schulzeit!

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